Dienstag, 17. Januar 2017

Balten-Krams


Da mein alter Charakter beim Großen Heer nicht wirklich kampftauglich und eigentlich ziemlich langweilig war, hab ich mich einer neuen Sippe (Austrfjarar) angeschlossen und einen neuen Charakter gebaut - eine Baltin, genauer gesagt aus Kurland, irgendwo an der heutigen Grenze von Lettland und Litauen im Küstenbereich wohnhaft. Die Kuren sind ein interessantes Völkchen, haben sie doch ihre eigene Seeräuber-Tradition und eine Zwischenposition zwischen den Ostbalten und Westbalten, auch sprachlich. Es gab im Frühmittelalter viele Kontakte zwischen Gotländern/Svearn und Kurland, wodurch z.B. die ursprünglich baltischen Lamellen- und Spiralquastengürtel, langen Hiebmesser und einige Fibelformen in den gotländischen Bereich kamen. Zum Winterthing hatte der Charakter Premiere und fährt dieses Jahr ins Norrelag.

Die Mütze ist ein Allround-Rundmützenschnitt, mit innen umgeklapptem Zierstreifen, der sie trotz des dünnen Fischgratstoffs warm genug für -13° auf Burg Lohra machte. Die Spiralen sind aus Bronzedraht gehdreht und typisch für die baltische Tracht, da gibt's diverse Funde zu unterschiedlichsten Spiralverzierungen bei Litauern, Kuren, Semgallen, Lettgallen usw. Die Perlen dazwischen habe ich aus Effetre Kobaltblau gedreht, meiner Lieblings-Perlenfarbe. Blau spielt ohnehin eine besondere Rolle in der baltischen Tracht und wurde vor allem für besondere Kleidung gebraucht. Der Hintergrund der Fotos ist meine kurze "Svirka" in leichtem Indigoblau, eine Tunika im Rechteckschnitt mit V-Ausschnitt und ohne Geren, wie sie die baltische Tracht im Frühmittelalter ausmachte. Die längere, vorn offene Svirka besteht aus meinem Lieblings-Wollstoff (2/2 Köper), der aus der Wolle brauner Schafe gewebt ist und am Ausschnitt mit einer Polyederendenfibel verschlossen wird.

Der Beutel ist aus Ziegenleder rotbraun, ein Rest vom Wendeschuhe nähen, die Form wird auf diversen Rekonstruktionsabbildungen immer wieder gezeigt.

Der Gürtel ist mit Bronzeblech 0,8 mm beschlagen, hat eine von mir gemachte Pinzettspitze und eine selbst aus 3 mm Bronzedraht geformte Schnalle, die ich speziell dafür angefertigt habe, da man kaum baltische Schnallen kaufen kann und immer nach Gotland ausweichen muss.
Im Gesamtbild sieht das dann etwa so aus:

Kommentare:

Celefindel hat gesagt…

Sehr, sehr cool! Offenbar scheint das Blau früher eine sehr beliebte Glasfarbe gewesen zu sein, bei Kelten und den lokalen Provinzialrömern gibt's das auch sehr oft.

Dvergr hat gesagt…

Aus Livland gibt's sogar ein ausschließlich blaues Gehänge: http://ic.pics.livejournal.com/maystra/18975573/134395/134395_original.jpg